../grafik/leer.gif
Zur Startseite
NEWS

Wesen und Charakter
AFGHANISCHER WINDHUND (Afghan Hound)

Unmöglich, ihn zu übersehen, hat man das Glück, ihm irgendwo zu begegnen. Zunächst fällt seine außergewöhnliche Behaarung auf, die den Eindruck entstehen lässt, dass er lange Hosen trägt. Seine Haare sind fein und lang, beim Junghund wollig und kurz. Nur Fang, Rücken und Oberseite der Rute sind beim erwachsenen Hund kurz und glatt behaart. Er ist stolz und zeigt das auch durch die Haltung seines Kopfes, selbstbewusst und zurückhaltend gegenüber Fremden, aber oftmals auch ausgesprochen neugierig.
Hochläufig wie alle Windhunde, hat er einen schlanken, kraftvollen Körperbau mit quadratischen Umrisslinien und einen ausdrucksvollen, eher schmalen Kopf mit kräftigen Kiefern. Er steht auf auffallend großen Pfoten. Auffallend ist auch seine Rute, eher schwach behaart und mit einem Ringel am Ende, die er, wenn er sich bewegt, genau wie seinen Kopf stolz erhoben trägt. So zeigt er sich uns heute, wie aber war er in seiner Heimat?

Obwohl die Ausfuhr des Afghanischen Windhundes bei Strafe verboten war, kamen Ende des 19. Jahrhunderts doch schon einige nach England. Die Berichte über diese ersten Hunde sind sehr unterschiedlich, genau so unterschiedlich, wie diese wohl gewesen sind. Trotzdem erregten diese Windhunde aus dem fernöstlichen Land beträchtliches Aufsehen. Auf ihrem Weg in die westliche Welt wurden sie von Legenden begleitet, für deren Wahrheitsgehalt sich zum überwiegenden Teil niemals Beweise finden ließen. Die Papyrusrollen aus Ägypten, die einen „affengesichtigen Hund“ beschrieben haben sollen, wurden niemals gefunden, genau so wenig wie die Felszeichnungen von Balkh. Natürlich auch nicht der Beweis für die Legende, dass der Afghanische Windhund auf Noah’s Arche als Vertreter der Gattung Hund die Sintflut überlebt haben soll. Aber das alles passt natürlich zu seiner geheimnisvollen Vergangenheit, und die Legenden haben viele Generationen überlebt.
In der Heimat des Afghanen gab es im wesentlichen zwei unterschiedliche Schläge, von der Landschaft geprägt, in der sie zur Jagd verwendet wurden. Der Windhund des Gebirges, der auch Steinwild jagte, war kleiner, kürzer und breiter, stärker gewinkelt und stärker behaart. Er brauchte für seine Arbeit Kraft, Wendigkeit und Sprungvermögen, besondere Schnelligkeit hingegen war dafür nicht das Wichtigste. Anders der Jäger für Steppen und Hochflächen. Er war größer, länger, weniger gewinkelt und schwach behaart, leichter aber schneller, eher dem Saluki ähnlich als dem Jäger des Gebirges. Beide Schläge wurden wohl hauptsächlich nach ihrem Gebrauchswert, nach ihrer Fähigkeit für die Jagd gehalten bzw. gelegentlich gezüchtet.
Die Situation änderte sich grundlegend und für alle Zeiten, als Captain John Barff 1907 den Rüden „Zardin“ mit nach England brachte. Einen Afghanischen Windhund dieser Qualität hatte man bis dahin in England niemals gesehen und es sollten viele Jahre vergehen, ehe wieder ein vergleichbares Exemplar erschien. So war „Zardin“ der Anfang der Rasse in Europa. Er war das von allen akzeptierte Modell, nach dem 1912 der erste Standard für die Rasse erstellt wurde. Nachkommen von ihm gab es leider nicht. Jedenfalls weiß niemand etwas darüber. 1920 brachte Major Bell Murray eine Gruppe Afghanen nach England, die völlig anders aussahen als „Zardin“. Die Hunde stammten aus dem ebenen Teil Afghanistans, während „Zardin“ den Gebirgstyp zeigte. Trotzdem gehen alle heute in der Welt lebenden Afghanischen Windhunde – außer in Afghanistan – mehr oder weniger auf diese Importe zurück, die man Steppen- und Flachland-Afghanen oder nach ihrem Importeur Bell-Murray-Afghanen nannte. 1929 kam als nächster Paukenschlag der kleine Rüde „Sirdar of Ghazni“ nach England. Er stammte aus dem Zwinger des damaligen Königs von Afghanistan Amanulla und sollte die Szene gründlich beeinflussen. Er war ein typischer Vertreter des Gebirgstyps und wurde als der beste Afghane seit „Zardin“ bezeichnet. Importiert wurde er mit einer Gruppe ähnliches Typs von Mrs. Amps, deren Zwingername „of Ghazni“ diesem Typ den Namen gab, so dass man seither vom Ghazni-Typ oder Bergtyp spricht. Obwohl die beiden nun in England befindlichen Typen völlig verschieden waren, so dass Experten von unterschiedlichen Rassen sprachen, wurden sie in der Zucht sofort vermischt, wobei „Sirdar“ eine besondere Rolle spielte. In der Ahnenreihe aller außerhalb Afghanistans lebenden Afghanen ist er meist vielfach vorhanden.

Bei uns sah man erstmals Afghanen auf einer Hundeausstellung 1932. Im gleichen Jahr wurde der erste Afghane im Dt. Windhundzuchtbuch eingetragen, der erste im DWZB eingetragene Wurf fiel 1940.
Der Afghane war in seiner Heimat ein Einzeljäger. Sicher erklärt sich daraus ein gewisser Grad der Unabhängigkeit in seinem Charakter, der ihm bis heute erhalten geblieben ist und der es manchmal schwer macht, ihn zum Gehorsam zu erziehen. Unterordnung und Gehorsam gehören nicht zu seinen hervorstechenden Eigenschaften. Zwar lernt er mit Liebe, Geduld, Konsequenz und gelegentlicher Strenge, in Haus und Garten einigermaßen zu gehorchen. Auf das erste oder zweite Wort hingegen wird er selten das tun, was Menschen von ihm wollen, es sei denn, dass sich das gerade mit seinen eigenen Wünschen trifft. Besonders wenn er älter wird hat man gelegentlich das Gefühl, dass er „seinen“ Menschen den Gefallen tun will. Das ändert sich aber meist vollständig, lässt man ihn beim Spaziergang von der Leine. Er kann sehr schnell außer Sichtweite rennen und kommt zunächst fast nie auf Ruf oder Pfiff zurück, ehe er selbst der Meinung ist, dass es nun für ihn reicht. Das kann zuweilen dauern, indessen man zähneknirschend warten mag. Wenn er dann endlich kommt, muß man ihn auch noch loben, was nicht immer ganz leicht fällt. Der Hund hat einen außergewöhnlichen ausgeprägten Orientierungssinn und kommt oftmals aus einer ganz anderen Richtung zurück. Man soll sich nur nicht der Illusion hingeben, dass man mit Gewalt dieses Verhalten ändern kann. Man würde nur einen ängstlichen Hund haben, der auch nicht besser folgen wird. Seinen Charakter brechen heißt seinen Stolz brechen, und dieser würdevolle Stolz macht seinen Charme aus. Darüber hinaus hätte er sein Vertrauen verloren zu seinem Partner Mensch. So anhänglich und liebevoll er ist, so eng verbunden seinen Menschen, er ist ein Jagdhund und nichts erinnert mehr an den ruhigen Hausgenossen, wenn er Wild verfolgen kann und man wird ihn kaum davon abbringen können, d.h. dass er wie die meisten anderen Hunderassen bei nach seiner Meinung passender Gelegenheit wildern wird. Diese Leidenschaft ist ein ererbtes, wesentliches Merkmal seines Charakters und gehört zu ihm wie seine Eigenwilligkeit. Man muß damit rechnen und sich damit abfinden, wenn man ihn als Hausgenossen erwählt.

Aus der gleichen Seite seines Charakters entwickelt er Eigenschaften, die ihn im Zusammenleben besonders liebenswert machen: Seinen Stolz, sein würdevolles Wesen, sein ruhiges, angenehmes Verhalten innerhalb von Haus und Familie. Stundenlang kann er ruhig liegen, so dass man ihn fast vergessen könnte, wenn man einmal wenig Zeit hat für ihn. Verglichen mit anderen Hunderassen ist er auch in der Familie eher zurückhaltend, und es macht deshalb wenig aus, dass er nicht immer sofort gehorcht. Er wieselt nicht ständig um die Füße und ist kaum lästig. Das darf man nicht mit Gleichgültigkeit verwechseln. Er liebt seine Menschen sehr und ist geduldig, besonders liebt er Kinder und ist überall glücklich, wenn er dabei sein darf. Nur in engem Kontakt mit seinen Menschen lässt er den besonderen Reiz seines Wesens erkennen. Daraus versteht sich von selbst, dass er nicht im Zwinger gehalten werden sollte, jedenfalls auf keinen Fall überwiegend. Er ist klug und manchmal ausgesprochen clever, so dass es passieren kann, dass er seine Menschen austrickst. Er lernt sehr schnell, wenn es ihn interessiert und er hat ein unglaubliches Gedächtnis.
Temperament zeigt er, wenn er draußen sein kann. Der ruhige, angenehme Hausgenosse zeigt dann die andere Seite seines Charakters. So bringt er auch dem Familienmitglied besondere Zuneigung entgegen, das ihm Gelegenheit zum Laufen gibt. Diese Gelegenheit ist in unserer west- oder mitteleuropäischen Welt nicht gerade häufig, sei es, weil freie Flächen zu einem Jagdgebiet gehören, sei es, weil Straßen oder Bahngleise zu nah sind. Auch in einem eingezäunten Garten wird er sich als Erwachsener nicht austoben, sofern er allein gehalten wird. So bleiben oft nur Spaziergänge an der Leine, die er auch genießt, oder der Trab am Fahrrad. Einen Ersatz kann man ihm bieten, lässt man ihn bei einem Rennverein beim Training laufen oder bei Rennen, vor allem bei Coursings. Speziell letzteres hat in den letzten Jahren sehr an Beliebtheit gewonnen und begeistert fast jeden Afghanischen Windhund.

Fast alle erwachsenen Afghanen sind wachsam und fühlen sich verantwortlich für ihre Familie und alles was dazu gehört. Sie sind keine Kläffer. Wegen ihres schon erwähnten guten Gedächtnises vergessen sie nie Menschen und Situationen, von denen ihnen Gutes oder Böses geschah und alle für sie besonderen Ereignisse. Nach einer Eingewöhnungszeit leben sie friedlich mit eigenen Haustieren zusammen, nicht aber mit fremden Tieren der gleichen Art.

Natürlich liegt es auf der Hand, dass ein Hund mit langem, feinem Haar besonderer Pflege bedarf. Obwohl er bis zu neun Monaten das Bürsten eigentlich nicht nötig hätte, sollte er bis zu diesem Alter bereits daran gewöhnt sein. Zwischen neun bis ungefähr 20 Monaten wechselt das Jugendhaar. Dann verfilzt das Haar manchmal von einem auf den anderen Tag. Weil das über einem längeren Zeitraum stattfindet, hat man soviel Arbeit mit dem Fell wie danach niemals mehr im Leben des Hundes.
Will man ihn nicht zu Ausstellungen bringen, genügt es, wenn man täglich die Filzstellen ausbürstet. Es genügt dabei aber keinesfalls, dass man nur oben drüber bürstet. Man muß das Haar von unten lagenweise hochheben und von unten angefangen nach oben weiterbürsten. Man benötigt dazu eine Bürste mit aufrecht stehenden Metallborsten, wie man sie auch für Menschen gebraucht, keinesfalls eine sogenannte Pudelbürste. Es lässt sich dabei nicht vermeiden, dass man viel Haar ausbürstet und auch viel abbricht. Bis die beschädigten Haarpartien wieder nachgewachsen sind, dauert es eine Zeit, weil das Haar des Afghanen nur langsam wächst. Für den erwachsenen Afghanen genügt es, wenn man ihn einmal in der Woche gründlich durchbürstet. Will man mit dem Hund Ausstellungen besuchen oder legt besonderen Wert auf die Schönheit seines Fells, darf man so nicht verfahren. Man muß ihn vor dem Bürsten baden mit einem speziellen Shampoo und anschließender Spülung. Nach dem vorsichtigen Frottieren bürstet man die Haare dann feucht aus und wird dabei feststellen, dass es nicht nur viel leichter geht, dass man keinen Filz übersieht und dass man kaum Haare ausbürstet. Das Haarkleid behält seine Fülle und wird gleichmäßig lang. Nach dem Ausbürsten wird der Hund trocken geföhnt. Sollten einmal Filzstellen entstanden sein, versucht man, sie vorsichtig auseinander zu ziehen, um sie dann von der Seite angefangen bis zur Mitte hin auseinanderzubürsten. Sehr harte Filze, die man eine Zeit übersehen hat, muß man der Länge nach einschneiden, also nicht einfach abschneiden.
Die Krallen wird sich ein Hund mit normaler Bewegung von selbst ablaufen, sie bedürfen also kaum besonderer Beachtung. Die Ohren sollte man regelmäßig kontrollieren und von Zeit zu Zeit mit einem entsprechenden Präparat säubern, damit sich keine Entzündungen bilden. Mit sauber gehaltenen Ohren wird man kaum jemals zum Tierarzt müssen. Beachtung muß man den Zähnen schenken, da manche Hunde zu Zahnstein neigen. Beim Fressen muß man die langen Ohren schützen, weil die Haare durch das Futter verschmutzt werden oder -schlimmer noch- einfach abgefressen werden. Es gibt bestimmte Hauben – Snoots – zu kaufen, die man über die Ohren zieht. Man kann auch von einem Nylonstrumpf ein Beinende abschneiden und das benutzen.

Natürlich ist nur ein gepflegter Afghanischer Windhund auch ein schöner Afghanischer Windhund ! Zu erwähnen ist noch, dass er nicht den typischen Hundegeruch hat und dass sich das Haaren in der Wohnung sehr in Grenzen hält.

Unveränderte Textübernahme von der Rassebeschreibung Afghane des DWZRV
 



../grafik/leer.gif